DER SCHWEIGEPAKT

Thriller

Vier Freundinnen. Eine gemeinsame Vergangenheit. Ein tödliches Geheimnis.

Bea, Miriam, Sarah und Clara sind unzertrennlich – bis Clara eines Tages ohne jede Spur verschwindet. Alles deutet darauf hin, dass sie einfach abgehauen ist, die Polizei stellt die Ermittlungen schon bald ein.

Doch vierzehn Jahre später werden Claras Überreste im Wald gefunden, und eine unheilvolle Reise in die Vergangenheit beginnt. Gut gehütete Geheimnisse drängen ans Tageslicht und schon bald wird den Mädchen von damals klar – der Tag der Abrechnung rückt näher …

REZENSIONEN

Kristin
Verifizierter Kauf / Rezension aus Deutschland vom 6. Oktober 2024
Wie nicht anders zu erwarten, war auch dieses Buch absolut lesenswert. Ich konnte es nicht aus der Hand legen, bis ich auf der letzten Seite angekommen bin. Die Charaktere sind absolut treffend beschrieben, als würde man sie persönlich kennen. Ich bin begeistert von der Art, wie die Schriftstellerin schreibt.
Elke Sobotta
Verifizierter Kauf / Rezension aus Deutschland vom 3. Mai 2023
Ich bin froh das ich das Buch gelesen habe. Sehr interessant geschrieben Einfach sehr spannend,einfach klasse 😁😁😁😁👍👍👍😀 Ich freu mich auf das nächste Buch
Testit
Verifizierter Kauf / Rezension aus Deutschland vom 14. November 2022
Mindestens 80 Prozent der Bücher auf Kindle ist nichtssagender, langweiliger Schrott, der als physisches Buch nie veröffentlicht worden wäre. Die Bücher von Sophie Edenberg bilden da eine seltene Ausnahme und sind allesamt wirklich empfehlenswert. Spannend geschrieben und doch relativ realistisch.
A.C.
Verifizierter Kauf / Rezension aus Deutschland vom 8. Juni 2023
Ich konnte das Buch kaum zur Seite legen. Es war überaus spannend aufgebaut bis hin zur unerwarteten Auflösung. Klasse !!!!
GK
Verifizierter Kauf / Rezension aus Deutschland vom 23. November 2022
Dieses Buch war sehr spannend, bis zum Schluss… ich habe bisher alle Bücher von Sophie Edenberg gerne gelesen ,immer wieder gute Bücher!!! Auch der Schweigepakt ist sehr zu empfehlen.

LESEPROBE

PROLOG

Rufus – es reicht! Komm endlich her, verdammt!«

Ich kneife die Augen zusammen und lasse den Blick zwischen den Baumstämmen hin- und herschweifen.

Immer dasselbe Theater mit dem Vieh.

Missmutig laufe ich weiter, den moosbewachsenen Weg entlang, tiefer in den Wald hinein. Durch die dichten Baumkronen dringt kaum Licht auf den Waldboden, die knorrigen Äste ragen über den schmalen Trampelpfad, versperren mir die Sicht. Keine Menschenseele weit und breit. Nur gelegentlich meine ich, ein Knacken im Unterholz zu vernehmen.

»Rufus? Bist du das?«

Meine Worte hallen von den Bäumen wider, ansonsten – nichts. Keine Spur von dem Köter, nur eine Amsel, die sich, aufgeschreckt durch meine Stimme, in die Lüfte erhebt. Ich fluche leise. Seit gut einer Stunde irre ich nun schon hier umher, doch Rufus ist und bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Immer wieder rufe ich laut seinen Namen, aber der unfolgsame Bernhardiner denkt gar nicht daran, zu mir zurückzukehren. Wahrscheinlich hat er ein Reh aufgestöbert, dem er jetzt hinterherjagt. Nicht, dass er auf seine alten Tage eine echte Chance hätte, es zu fassen zu kriegen.

Dämliche Töle. Na warte, wenn ich dich erwische!

Ich beiße die Zähne zusammen und stolpere weiter. In dem Gestrüpp komme ich nur langsam voran, der Weg vor mir ist hinter Unkraut und Efeu kaum noch zu erkennen. Ich konzentriere mich nun auf meine Füße, gebe acht, nicht auszurutschen auf dem unebenen Grund, der jetzt ganz allmählich abfällt. Aus der Ferne dringt ein Rauschen an meine Ohren, und der Geruch nach feuchter Erde und verfaultem Laub liegt in der Luft – irgendwo hier muss es Wasser geben.

Langsam werde ich nervös. Der Wienerwald ist riesig, und es dämmert schon. Wenn ich Rufus nicht bald finde, bleibt mir nichts anderes übrig, als ohne ihn kehrtzumachen. Die Vorstellung, Axel erklären zu müssen, dass ich seinen treuen Freund verloren habe, gefällt mir gar nicht. Ich könnte mich ohrfeigen. Hätte ich ihm doch nur nicht die verdammte Leine abgenommen!

»Rufus! Schluss mit dem Unsinn. Es wird bald dunkel, wir müssen nach Hause – Rufus!«

Nichts.

Schwer atmend halte ich inne. Die Bäume stehen hier nicht ganz so dicht beieinander, und im schwindenden Tageslicht kann ich in einigen Metern Entfernung eine Böschung ausmachen. Dahinter eine breite Schlucht, in deren Mitte ein schmales Flüsschen plätschert.

Ein mulmiges Gefühl regt sich in meiner Magengegend. Ob Rufus da hineingeraten ist und den Rückweg jetzt nicht mehr schafft? Seine Kräfte sind begrenzt – er hat ein schwaches Herz.

Dann sehe ich auf einmal unter mir etwas Braunweißes aufblitzen.

»Da bist du ja endlich.« Ich seufze erleichtert. »Komm her, ja? Dein Herrchen wartet bestimmt schon auf uns.«

Doch Rufus beachtet mich nicht. Mit der Nase wühlt er wenige Meter vom Flussbett entfernt im Laub – irgendwas dort scheint seine Aufmerksamkeit erregt zu haben.

Ich verziehe das Gesicht. »Im Ernst? Muss ich dich wirklich holen kommen?«

Vorsichtig trete ich näher, auf die Böschung zu. Der Boden unter meinen Füßen ist aufgeweicht, Wurzeln und abgerissene Farne ragen aus dem abgesunkenen Hang. Doch während ich noch überlege, wie ich Rufus dazu bewegen soll, aus freien Stücken zu mir hochzukommen, spüre ich, wie meine Sneakers auf dem feuchten Blätterwerk abrutschen. Ich rudere mit den Armen, will das Gleichgewicht nicht verlieren und stoße überrascht den Atem aus, als ich mit dem Hintern hart auf der Erde aufschlage. Meine Finger krallen sich in den Boden, greifen nach den Wurzeln – vergebens. Am Fuße des Hangs, nur Zentimeter von den Steinen entfernt, die den Rand des Flusses säumen, endet meine Rutschpartie.

Mein Herz pocht wie wild, während ich mich hochrappele, mir die schmutzigen Hände an den Jeans abwische. Beinahe wäre ich ins Wasser gefallen.

Dann besinne ich mich. »Hab ich dich endlich.« Mit einer blitzschnellen Bewegung greife ich nach Rufus’ Halsband. »Schluss mit lustig. Wir gehen.«

Doch der sture Bernhardiner macht immer noch keine Anstalten zu gehorchen. Die Pfoten hat er in den Erdboden gestemmt, die Nackenhaare aufgestellt, während er sich mit jedem Gramm seines fülligen Leibes gegen mein Zerren sträubt.

Resigniert lasse ich von ihm ab und stütze schnaufend die Hände auf die Knie. Rufus wiegt fast fünfzig Kilo, keine Chance, ihn zu irgendwas zu bewegen, das er nicht will.

»Was ist denn mit dir? Was hast du?«

Da bemerke ich den verblichenen blauen Stofffetzen, der zwischen seinen Pfoten hervorlugt. Ich runzle die Stirn. Bei näherem Hinsehen stelle ich fest, dass es der Griff eines Rucksacks sein muss. Verschlissen, dreckverkrustet, alt.

»Aus!«

Zu meiner eigenen Überraschung lässt Rufus tatsächlich von dem Stoffteil ab, nur um in unmittelbarer Nähe plötzlich wie wild zu graben. Ich lasse ihn gewähren. Hin- und hergerissen zwischen Ekel und Neugierde umfasse ich den Haltegriff, und mit einem Ruck befördere ich auch den Rest des Rucksacks aus der Erde. Der Reißverschluss ist kaputt, und aus der Öffnung lugt neben einer Handvoll Stiften und Schreibblöcken ein kleines, in Leder eingefasstes Notizbuch hervor. Vorsichtig ziehe ich es heraus, streiche über den fleckigen Einband. Wem das wohl gehört hat?

Gerade als ich es aufschlagen will, höre ich hinter mir Rufus’ aufgebrachtes Bellen. Ungeduldig wende ich mich zu ihm um. »Was ist denn nun schon wieder?«

Rufus hebt den Kopf. Zwischen seinen Zähnen kann ich einen länglichen Gegenstand ausmachen. Seufzend stecke ich das Buch in die Gesäßtasche meiner Jeans, um es später genauer in Augenschein zu nehmen, dann stapfe ich durch das aufgewühlte Erdreich auf ihn zu.

Nie wieder. Soll Axel sich von nun an selbst um das dämliche Vieh kümmern.

Als ich erkenne, was er da im Maul hat, zucke ich zurück. Ein Zittern überläuft meinen Körper. Beinahe wäre ich doch noch in den Fluss gefallen.

Was zum …

Jähes Entsetzen überkommt mich. Denn das, was ich auf den ersten Blick für einen Stock gehalten habe, ist in Wahrheit ein Knochen. Und er sieht aus wie ein menschlicher Knochen. Ich blicke zu Boden. Zwischen den verdreckten und zerlöcherten Resten eines T-Shirts ragen noch weitere Knochenfragmente aus dem Erdreich empor. Die Überreste eines Skeletts. Und auf einmal dämmert mir, wer das gewesen sein muss.

Nur mühsam kann ich einen Aufschrei unterdrücken, während die Erinnerungen wie Kanonenschläge auf mich einprasseln. Flugblätter an den Bäumen. Darauf ein junges Mädchen, blondes Haar, ein unschuldiges Lächeln im Gesicht. Die Suchtrupps, die Gerüchte, die Verleumdungen. Meine eigenen Vermutungen, was wirklich geschehen ist.

Vierzehn Jahre. Und all die Zeit war sie hier? Direkt vor unserer Nase?

Dann setzt mein Verstand aus.

Ohne noch einen Blick zurückzuwerfen, mache ich auf dem Absatz kehrt. Ich krieche mehr, als dass ich laufe, während ich mich die Böschung hochkämpfe. Rufus, der meine Panik offenbar gespürt hat, folgt mir hechelnd. Meine Arme und mein Gesicht sind von Schrammen übersät, als ich endlich oben ankomme, mein gesamter Körper sieht aus, als hätte ich mich im Schlamm gewälzt. Doch ich achte nicht darauf. In meinem Kopf ist nur ein einziger Gedanke, während ich den Weg zurückrenne, den ich gekommen bin.

Nur weg von hier. Nur weg.

KAPITEL 1 — Moritz

Ich glaub’s einfach nicht.« Stöhnend fahre ich mir mit der Hand übers Gesicht. »Und Sie sind ganz sicher, dass es Clara ist?«

»Ich fürchte, daran besteht kein Zweifel.«

»Und was bedeutet das genau?« Mein Blick ist flehend, während ich mich an den letzten mir verbliebenen Hoffnungsschimmer klammere. Dass bloß ein Irrtum, ein Missverständnis vorliegt. Dass es sich bei den menschlichen Überresten, die im Wald gefunden wurden, auf keinen Fall um die meiner kleinen Schwester handeln kann.

Franziska Dortmund, eine hagere junge Frau mit wässrigen Augen und hervorstehenden Schneidezähnen, nestelt unbehaglich am Saum ihrer Bluse und wirft ihrem älteren Kollegen einen hilfesuchenden Blick zu. Ich kenne ihn noch von früher, erinnere mich nur zu gut daran, wie er das letzte Mal bei uns im Wohnzimmer gesessen hat, denselben traurigen Ausdruck in den braunen Augen.

»Wir haben einen Abgleich der Zahnunterlagen vorgenommen«, antwortet Dieter Wolfer, der aussieht wie ein in die Jahre gekommener Leistungssportler, prompt an ihrer Stelle. »Und die Kleider, die wir bei der Leiche gefunden haben, passen ebenfalls. Ein gelbes Tanktop, abgeschnittene Jeansshorts, das war es doch, was ...«

»Schon gut«, sage ich und hebe abwehrend die Hände. »Ich glaube Ihnen.«

Einen Moment lang starre ich die beiden Polizisten wortlos an. Sehe zu, wie Frau Dortmund unruhig auf dem Sofa hin und her rutscht, wie Herr Wolfer nach der Kaffeetasse greift, die vor ihm auf dem Tisch steht, und einen Schluck daraus trinkt. Bemerke die verstohlenen Blicke, die sie einander zuwerfen.

»Wie ist es – passiert?«, bringe ich stockend heraus. »Woran ist sie gestorben?« Schon jetzt graut mir vor der Antwort, aber es führt kein Weg daran vorbei – ich muss es wissen.

»Ihre Schädeldecke war eingedrückt«, murmelt Frau Dortmund. »Wir warten noch auf die Ergebnisse der Forensik. Doch auf den ersten Blick sieht es so aus, als wäre sie erschlagen worden.«

»Erschlagen?« Ich spüre, wie ich erbleiche. »Aber – könnte es nicht auch ein Unfall gewesen sein? Vielleicht ist sie gestürzt und – und ...«

Herr Wolfer seufzt nur. »Unwahrscheinlich.«

»Oh, mein Gott.« In meinem Kopf dreht sich plötzlich alles, und ich umklammere den Stoff meines Lehnstuhls. Clara – tot. Ermordet. Erschlagen. Ich kann es einfach nicht glauben. »Aber wir haben damals doch alles nach ihr abgesucht! Die vielen Suchtrupps – wie kann es sein, dass wir sie nie gefunden haben?«

»Es tut mir ehrlich leid, Herr Schmidt. Uns ist bewusst, was das für ein Schock für Sie sein muss. Selbst nach all der Zeit.«

FOLGE
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